Kunstwerk des Monats im März 2014
02. März 2014
"Von großer Zartheit der Farben" - Heinrich Petri, die Düsseldorfer Akademie und die Göttinger Porzellanmalerei
Vorgestellt von: Verena Suchy
Im Jahr 1834 wurde der Maler Heinrich Petri (?1872) als zweiter Sohn des Göttinger Porzellanmalers und Fotografiepioniers Phillip Petri (1800-1868) geboren.
Philipp Petris Porzellanmanufaktur nahm in Göttingen lange eine marktführende und künstlerisch stilbildende Rolle ein. Für zahlreiche Studenten waren auf Porzellan gemalte Ansichten von Stadt und Universität beliebte Geschenke oder Souvenirs. Insbesondere bemalte porzellanene Pfeifenköpfe fanden reißenden Absatz. Als Philipp Petri 1827 nach Göttingen zog, waren die hier angebotenen Porzellanmalereien künstlerisch jedoch auf einem recht überschaubaren Niveau. Verdienst Philipp Petris war es, eine bis dato ungeahnt feine Qualität der Darstellung und Zartheit der Farben in die Göttinger Porzellanmalerei eingeführt zu haben.
Gerade diese Zartheit, Feinheit und fast körperlos scheinende Leichtigkeit im malerischen Ausdruck verbinden Heinrich Petri künstlerisch mit seinem Vater, auch wenn der Sohn es vorzog, statt auf Porzellan auf Leinwand zu malen. Seine künstlerische Ausbildung erhielt Heinrich Petri ab 1852 an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er sich unter Anleitung seines Lehrers, Freundes und Vorbilds Ernst Deger (1809-1885) der religiösen Historienmalerei nazarenischer Prägung zuwandte. Thematisch nehmen Darstellungen Marias eine herausragende Stellung im Werk des Katholiken Heinrich Petri ein; er malte die Madonna immer wieder sowohl in kleinen, unszenischen Bildern, als auch in monumentalen Altar- und Wandgemälden.
Der Göttinger Universitätskunstsammlung wurden 2012 zwei solcher Madonnenbildnisse Heinrich Petris aus Privatbesitz geschenkt. Eines zeigt die Mater dolorosa, die im Schmerz über den Tod ihres Sohnes Jesus in stiller, erhabener Trauer versunkene Mutter in einem leuchtend blauen Gewand. Das Bild ist in der für Petri, wie die Düsseldorfer Malerschule allgemein, typischen glatten Feinmalerei gehalten; es strahlt Ruhe und feierlichen Ernst aus. Das zweite Göttinger Madonnenbild dagegen wirkt wesentlich gröber, für Petri ungewöhnlich sind die deutlich sichtbaren Pinselspuren in der Maloberfläche. Dies lässt darauf schließen, dass es sich um ein unvollendetes, möglicherweise skizzenhaft angelegtes Werk handelt.
Petris Göttinger Madonnen sind sowohl in ihrer weichen, dabei aber keineswegs blassen Feinmalerei, als auch in ihrer, der katholischen Marienverehrung entlehnten, Thematik charakteristisch für Heinrich Petri. Zudem verkörpern sie die stilistischen Merkmale und religiösen Ideale der dem Katholizismus nahe stehenden Nazarener auf nahezu ideale Weise.